Ein kleines, schmales Bändchen…ich wollte mal etwas von Vanderbeke probieren. Einerseits hat es mich durchaus angesprochen, eine schöne Sprache – leider war der Inhalt für mich eher sperrig, vage, es kam nicht so richtig an mich ran. Vielleicht auch der gewünschte Effekt, wissen die Figuren doch auch nicht recht, wohin mit sich. Da ich nicht genau wusste, wie ich es beurteilen soll, bin ich ein wenig auf die Suche nach anderen Rezensionen gegangen und habe aufs Geratewohl einen Veriss gefunden, der ziemlich genau traf, was mich störte – und dann eine überschwängliche Rezension, die die Punkte herausstellte, die für mich dieses Buch eben doch durchaus lesenswert machten. Anscheinend muss ich einfach gespalten bleiben und dem Buch beides zugestehen ;-)
Autor: Sarah
Mein fast perfektes Leben – Jonathan Tropper
Ein Mann versucht den Tod seiner Frau bei einem Flugzeugabsturz zu verarbeiten. Eigentlich die ganze Handlung in einem Satz. Oftmals mit recht lapidarer, etwas krampfig wirkender „Lässigkeit“ geschrieben … dann wieder ein kleiner besonderer Satz dazwischen, eine kleine Handlungssträhne die dieses Buch wieder aus der Mittelmässigkeit hervorheben will … allerdings so richtig klappt es nicht und es bleibt ein eher klischeebesetzter Roman. War schnell gelesen und auch soweit ganz „nett“ – aber definitiv kein Lese-Muss für mich.
Wenn das Schlachten vorbei ist – T.C. Boyle
Ein Roman der mich mit der Wucht einer Naturgewalt getroffen hat und lange nachhallte. Weil er mich mit einem Thema beschäftigt hat, was sonst eher am Rande meine Aufmerksamkeit erhält – der Kampf zwischen Tierschützern und Natur- und Artenschützern. Jeder ist auf seine Weise überzeugt davon, dass „Richtige“ zu tun. Und dazwischen – die Natur, die doch immer noch nicht komplett zu bestimmen, zu zähmen ist….so sehr der Mensch es sich auch einbildet.
Was die Faszination dieses Romans ausmacht, ist wohl, dass Boyle uns tief in die Materie mitnimmt, er lässt uns teilhaben an den Gedanken, Beweggründen, inneren Sehnsüchten seiner (nicht unbedingt sympathischen) Figuren. Und man fühlt sich hin und hergerissen: wer hat denn nun Recht? Gibt es ein Richtig oder Falsch? Man wird ständig vor moralische und ethische Fragen gestellt. Noch dazu kann Boyle einfach toll schreiben – nicht selten habe ich lange Satzkonstrukte einfach nur bewundert – was für ein toller Stil! Dieses Buch hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen und mich noch länger begleitet.
Der Sohn – Jessica Durlacher
Meine erste Begegnung mit dieser Autorin und nach der Lektüre kann ich sagen – ganz sicher auch nicht meine letzte! Durlacher beschreibt eine Familie die in einen Strudel von Ereignissen gerät, die diese zunächst nicht einordnen kann – und die doch zusammenhängen und deren Gründe weit in die Familienvergangenheit zurückreichen. Beklemmend mit vielen Spannungsmomenten und so packend geschrieben, dass ich teilweise fast das Gefühl hatte, einen Thriller zu lesen. In diesem Familiendrama greifen die unterschiedlichen Rädchen der Geschichte lückenlos ineinander über, genauso wie mich viele der sehr direkten, ehrlichen Beobachtungen dieser Menschen berührt haben und ich so manche Sätze zweimal las. Definitiv ein Lesetipp!
Vango: Zwischen Himmel und Erde – Timothée de Fombelle
Über dieses Jugendbuch gerate ich ins Schwärmen, weil es sich wohltuend von vielen anderen abhebt! Hier nimmt einen die Geschichte wirklich mit ans Geschehen: auf eine winzige Insel, nach Großbritannien, Frankreich, Italien, Deutschland – aus vielen Perspektiven setzt sich die Geschichte von Vango nach und nach zusammen. Und es ist rasant, es ist unheimlich spannend und noch dazu historisch interessant ohne dröge oder belehrend zu wirken. Mich jedenfalls hat die Geschichte nach einer Hörprobe die ich im Deutschlandfunk (sehr empfehlenswert übrigens der Podcast für Kinder- und Jugendliteratur!) gehört habe, nicht mehr losgelassen, das Buch musste her! Ein spannender, wirklich toll geschriebener Abenteuerroman für Jugendliche ab etwa 13 (und ich versteige mich zu der Behauptung, dass dieses Buch durchaus auch lesefaule Jungs begeistert). Der zweite Teil wird hoffentlich bald fertig übersetzt sein – ich möchte unbedingt wissen wie es mit Vango weitergeht!
Flavia de Luce: Mord im Gurkenbeet – Alan Bradley
Lustigerweiser wollte ich meinen Leseeindruck mit „britischer Humor“ beginnen. Allerdings – der Autor ist Kanadier ;-) Nunja, abgesehen vom Humor (der also entweder angelesen oder einfach kanadisch ist, wer weiss? ) hat er eine herrlich schräge Krimi-Geschichte, angesiedelt in Großbritannien geschrieben und Flavia, die etwas anders ist, als die meisten Jugendlichen, eroberte mein Herz schnell. Nette Krimihandlung, ein bisschen Spannung, ein bisschen Rätselraten und die dubiose Familie rund um Flavia machen es zu einem schönen Schmöker für Menschen wie mich, die selten zu einem „normalen“ Krimi greifen!
Delirium – Lauren Oliver
Eigentlich hätte ich es wohl besser wissen müssen. Bereits ihr Erstling „Wenn du stirbst, zieht dein ganzes Leben an dir vorbei, sagen sie“ hatte mich ja nicht so richtig vom Hocker gerissen. Und hier fand ich wirklich…ich sage mal so: ich lag krank im Bett beim Lesen und wollte etwas Leichtes lesen. Soweit wurde die Erwartungerfüllt, allerdings war mir, auch wenn die Grundidee nicht verkehrt war, das Buch einfach zu aufgebläht, viel zuviele Wiederholungen, die Geschichte kam sehr langsam in Gang und es kam nicht wirklich Lesefieber bei mir auf – die Charaktere blieben mir fremd, ich konnte einige Handlungsweisen nicht nachvollziehen. Ich habe mich beim Lesen teilweise wirklich geärgert und überlegt ob ich vielleicht zu alt für dieses Jugendbuch bin – andererseits bin ich generell durchaus ein Fan von Dystopien und habe mehrere, wirklich gute Bücher dieser Art im Jugendbereich gelesen, ohne mir zu alt vorzukommen. Nein, dieses Buch und ich, wir kommen nicht zusammen und ich werde die Fortsetzungen definitiv nicht lesen.
Mamas Vermächtnis – Herrad Schenk
Ein Mutter-Tochter-Verhältnis aus der ganz anderen Warte. Als ihre Mutter stirbt ist Thea selbst schon fast siebzig – und sieht sich plötzlich einem ganz neuen Leben gegenüber, so ganz ohne „Mamachen“. Herrad Schenk mag ich seit „In der Badewanne“ sehr gern, denn sie hat das Talent, in einen humorvollen Roman noch so einige Zwischenböden an Tiefe und auch Satire einzuziehen – und das ganze noch mit sehr klugen Gedanken zu garnieren. Auch hier nimmt sie den Befreiungsschlag der Tochter zum Anlass, ein ganzes Leben zu beleuchten und vorallem die Frage – was ist Thea denn noch – außer Tochter? Und nicht zuletzt – wer war eigentlich Mamachen? Hat mir wieder richtig gut gefallen!
Fünf – Ursula Poznanski
Ich gebe ganz ehrlich zu: nach den ersten zehn Seiten wollte ich dieses Buch zuklappen und weglegen. Der Funke sprang nicht über, ich fand keinen Halt im Buch und hatte einen hohen Stapel verlockender anderer Bücher. Ich gab mir aber einen Ruck und siehe da: just in diesem Moment kam dann etwas Fahrt ins Geschehen und ich sah mich einem unterhaltsamen Krimi mit ausgefallender Thematik (Geocaching) gegenüber.
Ein bisschen genervt war ich von der weiblichen Ermittlerin, die mir doch in allzuviele Klischees hinein passte. Man sieht, ich bin ambivalent – für die Idee gibt es Punkte, ebenso für die Spannung und Auflösung – da haben wir es mit einem guten Plot zu tun. Trotzdem kam mir dieses Buch manchmal zu oberflächlich daher, was aber bei einem Krimi nunmal nicht die Hauptparameter zur Beurteilung sind. Finde es sehr schwierig, diesen Leseeindruck zu schreiben, denn zu negativ soll er auch nicht klingen – dafür hatte ich dann doch zuviel Lust, immer wieder weiterzulesen. Also: kleine Kritikpunkte, dennoch eine Krimi-Empfehlung für verregnete Samstage und definitiv für Freunde des Geocachings! Und eines hat dieses Buch definitiv geschafft: die Lust am Geocaching zu entfachen ;-)
Man sagt sich mehr als einmal Lebewohl – David Servan-Schreiber
Manche Bücher rühren einen aufgrund der eigenen Biographie mehr an, als andere. Hier kann ich nur für mich, völlig subjektiv und persönlich sagen, es hat mich sehr berührt und demütig werden lassen und beim Lesen habe ich wirklich Taschentücher gebraucht. Es ist ein kleines, schmales Bändchen das Servan-Schreiber kurz vor seinem Tod noch vollendet hat. Indem er über das Sterben schreibt, so schreibt er auch gleichzeitig über das Leben und bei sovielen Gedanken habe ich mich angesprochen gefühlt. Ich empfand es als sehr mutig, dieses Buch zu schreiben, denn der Autor war selbst Arzt und hatte mit seinem „Antikrebs-Buch“ für viel Aufsehen gesorgt. Für mich sehr eindringlich setzt er sich auch mit seiner Umwelt auseinander, die ihm auf unterschiedlichste Art und Weise zusetzt – warum seine eigenen Tipps bei ihm versagen zum Beispiel. Er ist gradlinig und ehrlich, was mir sehr imponiert hat. Er versucht nicht, DEN Weg aufzuzeigen. Er erzählt seine Geschichte. Ich wünsche diesem Buch viele, viele Leser, ob selbst betroffen, Angehörige, Freunde oder Menschen die offen sind für Gedanken, die man sich im alltäglichen Leben so nicht macht.
Beim Lesen dachte ich an eine ganz spezielle Frau, der ich diesen Leseeindruck widme. Und ich bin sicher, wären sie und der Autor zusammen ein Bier trinken gegangen, ihre Ansichten wären die gleichen gewesen. U – Du fehlst immer!