In einer Person – John Irving

Mit diesem Irving war es wie mit einem alten Ledersofa: draufsetzen, sich heimelig fühlen, jede Falte kennen, über den Stoff streichen…und sich doch vielleicht mal ein wenig Abwechslung wünschen. Auch wenn ich noch nicht alle vorigen Bücher von John Irving kenne, begegnen mir doch in diesem Buch soviele alte Bekannte, Themen und Motive aus vorigen Büchern, dass ich ein kleines bisschen enttäuscht war, weil es mich nicht mehr so „zog“. Trotzdem: ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen und gerade die Theaterbezüge konnten mich begeistern, genauso wie die wunderbare Bibliothekarin, mit der Irving wieder eine herrliche Figur geschaffen hat.

City of thieves – David Benioff

Manchmal gibt es Bücher, zu denen einem spontan ein Wort, eine Umschreibung einfällt. In diesem Falle wäre es „derb“ – denn sowohl die Erzählweise als auch die Geschehnisse, als auch der Humor sind es. Kalt ist auch der russische Winter, in dem zwei junge Männer versuchen, das Unmögliche wahr zu machen: mitten im Krieg ein Dutzend Eier zu ergattern. Das Buch hat mich ganz schön mitgenommen, einige heftige Szenen blieben im Gedächtnis haften und wirkten vielleicht auch im Original nochmal eindrücklicher. Nichts für Zartbesaitete, wohl aber für diejenigen, die ungewöhnliche Helden schätzen, die selbst aus der Not noch etwas zaubern können.

Zähl auf mich – Jorge Bucay

Viele Jahre sind vergangen, als der Patient aus „Komm, ich erzähl Dir eine Geschichte“ seinen alten Therapeuten aufsucht. Klüger ist er wohl geworden – aber auch weiser? Mit einer ganz anderen Art von Problemen und Sorgen konfrontiert er nun den alten Meister – und dieser antwortet auf die gewohnte Art: mit einer Geschichte… wieder sehr lesenswert, mit tollen Ansätzen, Ideen und faszinierenden Geschichten.

Komm, ich erzähl Dir eine Geschichte – Jorge Bucay

Schon seit Jahren kaufen einige Kunden dieses Buch immer mal wieder, was mich neugierig machte, aber dann doch nie zugreifen lies. Ich glaube, ich hatte etwas anderes erwartet, als ich bekam: und wie gut, dass ich dann mal zugriff, auf der Suche nach Urlaubslektüre. Fein verpackte Geschichten, eingebettet in eine Patienten-Therapeuten-Beziehung, welcher der Leser beiwohnen darf. Und zu sehen, wie bei unserem Ratsuchenden immer mal wieder der Groschen fällt (oder auch nicht ;-)) war aufschlussreich, mitunter vergnüglich und mit so einigen Aha-Effekten meinerseits verbunden. Die Gestalttherapie, die Bucay im Buch behandelt, hat durch die Lektüre für mich an Faszination gewonnen. Das Buch klingt angenehm lange nach, manche Geschichten las ich mehrfach und habe das Buch nun auch meinerseits schon einige Male weitergegeben.

Erdenrund – Oliver Uschmann/Sylvia Witt

Ich mag die Reihe ja sehr, das kann man nicht verleugnen. Dieser Band war auch noch erfreulich dick, also versprach ich mir Lesevergnügen, welches ich auch hatte. Und wieder Spaß an vielen abstrusen Ideen. Allerdings hatte die ein oder andere Episode (obwohl ich es toll fand, die verschiedenen Perspektiven zu erfahren) einfach Längen. Diese mögen der Entwicklung und der deutlich ernsteren Töne der Figuren geschuldet sein. Das war ein wenig schade, weil ich dadurch deutlich öfter Pausen gemacht habe und das Buch ne Weile gebraucht hat, bis es durchgelesen war. Fürs nächste Buch wünsche ich mir : etwas kompakter – back to the roots ;-)

What we talk about, when we talk about Anne Frank – Nathan Englander

Ein Buch, das lange nachhallt ist für dieses Werk fast zuwenig gesagt – an einige Geschichten erinnere ich mich nach Monaten noch und an das Gefühl der Gänsehaut und Bewegtheit beim Lesen. Ich bin kein großer Kurzgeschichtenfan, diese haben mich aber nicht nur begeistert, sondern auch nachdenklich werden lassen. Das Buch habe ich mehrfach verschenkt, behandelt es doch soviele große Themen: Schuld, Verantwortung, Liebe, Freundschaft, Sterben, Gerechtigkeit und den Spagat, den wir alle in der heutigen Zeit zwischen Ethik, Moral, unserer Geschichte, Religion und dem Zeitgeist machen. Sehr, sehr beeindruckend und ganz sicher nicht mein letztes Buch dieses Autors.

Verdächtige Geliebte – Keigo Higashino

Ein Krimi, bei dem man von Anfang an weiss, wie der Mord passierte. Das Angebot eines perfekten Alibis. Die Ermittler auf der falschen Fährte. Und dann kommt alles anders, so anders als gedacht und der Leser bleibt fasziniert zurück. Für mich, die ich ja wenig Krimis lese, ein aussergewöhnlich tolles Leseerlebnis, sehr spannend, intelligent und mit grandiosem Ende. Krimi des Jahres 2012!

Ein plötzlicher Todesfall – J.K. Rowling

Mit Spannung habe ich die neue Rowling erwartet – wie soviele andere auch. Abschliessend kann ich sagen: ich war lange nicht so enttäuscht, wie ich (laut diversen Zeitungen) hätte sein müssen, leider aber auch nicht so begeistert, wie ich hätte sein können. Rowling hat einen großen Gesellschaftsroman geschrieben und sie hat sich damit freigeschwommen, indem sie alles hineingepackt hat: sie provoziert und ist unheimlich plakativ das kann einem schnell zuviel werden. Trotzdem hat es mir Spaß gemacht, Schicht um Schicht die Personen des Dorfes zu enthüllen, Rowling tut ihren Helden ganz schön was an… das Buch hat definitiv einige Längen, zieht zur Mitte hin aber nochmals an und der Schluss ist heftig und liess meine Gesamtwertung nochmals steigen. Einige Figuren und Szenerien sind ihr unheimlich gut gelungen, da ziehe ich den Hut vor ihr. Ich freue mich auf ihr nächstes Buch, weil dieses sich dann nicht mehr so stark „abgrenzen“ muss von Harry Potter – und dann wohl ziemlich sicher meinen Geschmack treffen wird.

The Curious Incident of the Dog in the Night-Time – Mark Haddon

Eines der Bücher, die ewig und drei Tage im Regal standen, seit ich es vor wirklich Ewigkeiten in einem kleinen Dubliner Antiquariat gekauft habe…und es endlich erlöst zu haben, war eine gute Entscheidung. Ich hatte noch nie etwas von Haddon gelesen und glaube, es ist der perfekte Einstieg: skurril, ernsthaft, witzig und ungewöhnlich. Hab ich gerne gelesen!