Bücher über Autismus sind immer wieder in meine Hände geraten, es ist ein Thema, dass mich, gerade weil es soviele Arten und Verläufe gibt, sehr umtreibt. Genova hat als Psychologin sicherlich den Hintergrund, um solch einen Roman schreiben zu können und die Schilderungen aus Sicht des jungen Autisten haben mich sehr angesprochen. Sie bedient sich allerdings noch einer zweiten Komponente, die ich als eher schwierig empfunden habe, denn ihre Bücher sind eigentlich nicht dafür bekannt, übersinnliche Elemente zu enthalten. Diesmal schienen sie nötig, um die Geschichte abzurunden, ich wünschte allerdings, sie hätte darauf verzichtet.
Autor: Sarah
Mehr als nur ein halbes Leben – Lisa Genova
Erneut wendet sich Lisa Genova einem schweren Schicksal zu – in diesem Roman ist es Sarah, die als Folge eines Unfalls einen linksseitigen Neglect zurückbehält. Ihr ganzes Leben – vorher genau getaktet, um Arbeit, Kinder, Ehemann und Gesellschaftliches unter einen Hut zu bekommen, ist so nicht mehr lebbar. Wenn das, was uns ausmacht und worauf wir stolz sind, aufgrund unserer körperlichen Verfassung nicht mehr möglich ist – was bleibt dann von uns? Diese Lektion muss Sarah auf die harte Tour lernen. Für mich nicht ganz so packend wie “Still Alice”, dennoch lesenswert.
Sommertöchter – Lisa-Maria Seydlitz
Eine Familiengeschichte im Sommerhaus – vom Finden, vom Verlieren, man spürt den Wind in den Haaren und den Sand unter den Füßen. Und auch wenn viele Fragen bleiben, so hat man doch am Ende ein wenig das Gefühl, die Sommertöchter haben etwas von sich selbst wiedergefunden.
Ungeschliffener Diamant – Alice Pung
Ein Buch aus dem wunderbaren edition.fünf-Verlag, den ich allein für seine Buchgestaltung einfach gernhabe. Und diese Geschichte einer Auswanderung, eines Neubeginns – aber auch einer inneren Zerissenheit zwischen China und Australien – das liest sich packend, aufwühlend und intensiv. Eine Familie, die versucht Fuß zu fassen, die einen verhaftet in die alten Traditionen, die ihnen scheinbare Stabilität versprechen, die anderen auf dem Weg zu neuen Ufern, zutiefst verunsichert, ob sie wirklich fähig dazu sind. Ein faszinierender Roman!
Letztendlich sind wir dem Universum egal – David Levithan
Ich mag Herrn Levithan, egal ob er für Jugendliche oder Erwachsene schreibt. Bei ihm stehen Gefühle im Vordergrund – so auch hier. Ein Querschnitt durch die amerikanische Jugendszene, aber diese Beschreibung allein würde dem Buch nicht gerecht. Es ist eine Liebesgeschichte, ein Geheimnis, ein Einfühlen ins Erwachsenwerden. Toller Schmöker.
Eine Liebe über das Meer – Jessica Brockmole
Was für ein schönes Buch, romantisch und traurig zugleich, ein Briefroman der berührt.
Sommer in Maine – J. Courtney Sullivan
Eine richtig packend geschriebene Familiengeschichte, da steckt alles drin: Drama, Eifersucht, Liebe, Vegangenheitsbewältigung, das Zusammenkommen und das Entfernen voneinander, die Familie mit scharfem Blick seziert. Der Urlaubsschmöker mit Potential!
Was ich Dich träumen lasse – Franziska Moll
Traurig-schönes Jugendbuch mit schweren Entscheidungen, Freundschaft und Liebe.
Solange Du bei uns bist – Jodi Picoult
Wölfe sind, muss ich zugeben, nicht mein größtes Interesse. Umso besser, dass mir Jodi Picoult diese Tiere näher bringt und es wieder schafft, dass ich mich voll und ganz auf ein bisher fremdes Thema einlasse. Gewohnt unterhaltsam geschrieben, mit dem Quentchen Dramatik, das der typische Picoult-Roman braucht.
Lazyboy – Michael Weins
Als der Indiebookday um die Ecke kam, galt es, ein Buch zu finden, mit dem ich diesen Tag feiern konnte. Die Wahl fiel auf Lazyboy, unter anderem auch deswegen, weil er Fans von Haruki Murakami ans Herz gelegt wurde. Und damit lagen die Empfehlungsstimmen garnicht falsch. Weins Welten haben Anklänge an den großen japanischen Autor. Und doch ist ihm etwas ganz eigenes gelungen, eine Welt, in der man sich verliert, in der es aber auch irgendwann kaum noch von Belang ist, was Wirklichkeit und Traum ist. Ein unbekannter Pfad, welchem ich gerne gefolgt bin.