Wer hat meinen John Grisham ersetzt?! Fing das Buch an wie ein klassischer Grisham (Lesen, Wohlfühlen, behaglich wie ein gemütliches und durchgesessenes Sofa…) so zerfaserte es immer mehr. Es gab einige sprachliche Entgleisungen, wo ich mich gefragt habe, ob ich gerade wirklich Grisham lese, zudem war der rote Faden zeitweise unter vielen anderen Fällen verdeckt. Man hatte das Gefühl, dass der Autor hier möglichst viel seines recherchierten Materials unterbringen wollte, was an sich auch hochspannend war – für meinen Geschmack aber in der Masse zuviel. Als Hardcover muss ich da ehrlich sagen: das ist zuviel Geld für einen mittelmässigen Fall…!
Autor: Sarah
Magic Cleaning – Marie Condo
Der Condo-Ansatz ist relativ drastisch, andererseits kann ich mir bei ihr vorstellen, dass eine Sitzung bei ihr und eine Entrümpelungsaktion wirklich langanhaltenden Effekt hat. Ein bisschen Ordnung, neue Methoden der Aufbewahrung und eine ganze Menge Minimalismus. Hat einen motivierenden Effekt, bringt zum Nachdenken und Aufräumen ;-)
Kann ich Pflaster für mein Handy, Frau Steinbeck? – Maryanto Fischer
Maryanto Fischer hat lange in Hanau gewohnt und hat viele Jahre als Kulturredakteur beim Hanauer Anzeiger gearbeitet. Nun hat er seinen ersten Roman veröffentlicht. Damit ist ihm ein ganz neuer Blick auf den Kosmos Schule gelungen. Wir begleiten Désirée Steinbeck in ihrem Alltag als Schulsekretärin – und der hat es in mehr als einer Hinsicht in sich. Der besondere Charme des Buches liegt auch darin, dass all die versammelten Geschichten, die sich im Buch in die Handlung einreihen, in langer Recherche von Maryanto zusammengetragen worden sind – also einen wahren Ursprung haben. Maryanto schreibt witzig, schwungvoll und das Buch hat großes Schmunzelpotential.
Nachdem ich Maryanto bereits als Journalist und Blogger oft und gerne gelesen habe, freue ich mich umso mehr, dass er auch die Langform für sich entdeckt hat – und das erfolgreich! Es bleibt nur zu sagen: Jede Schule sollte eine Frau Steinbeck haben. Und wenn das nicht so ohne weiteres geht, dann zumindest ein Exemplar von “Kann ich Pflaster für mein Handy, Frau Steinbeck” in der Schulbibliothek!
Die letzten Tage im Leben von Rabbit Hayes – Anna McPartlin
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich zu diesem Buch nur griff, weil mein Kopf so voll war und ich dachte, mehr als wirklich „leichte Lektüre“ schaffe ich nicht. Aber das eher romantisch-verspielte Cover täuscht. Die Geschichte um Rabbit Hayes geht zu Herzen – aber nicht nur das. Man gewinnt ihre schräge, irische Familie nach und nach lieb, die fluchende Mutter, den kämpfenden Vater, den unzuverlässigen Bruder, ihre Tochter und soviele mehr. Jap, es ist hier und da auch kitschig und vorhersehbar, und traurig wird es auch nicht zu knapp. Aber doch steckt in diesem Roman deutlich mehr Potential, als ich ihm am Anfang zugetraut habe.
Denn alles Leben ist vergänglich – Irvin D. Yalom
Die Fallgeschichten von Yalom faszinieren mich jedesmal wieder aufs Neue. Manchmal denke ich, dass seine Fälle natürlich sehr speziell sind und nicht gerade repräsentativ für eine typische Therapie. Andererseits hängt es sowieso immer an Patient und Therapeut, wie sich die Beziehung gestaltet. Yalom hat jedenfalls eine hochinteressante Art zu arbeiten und kann noch dazu das ganze anschaulich in Literatur verpacken. Nach dem Lesen seiner Bücher habe ich immer das Gefühl, wieder ein klein wenig mehr von der menschlichen Seele verstanden zu haben – und doch immer noch viel zuwenig.
Wenn guten Menschen Böses widerfährt – Harold S. Kushner
Wenn eine sehr gute Freundin Dir in schweren Zeiten ein Buch schickt, welches Linderung verspricht, dann ist allein das schon Balsam für die Seele. Dieses Buch hat nichts einfacher gemacht, es hat vielleicht keine Lösungen oder auch nur Licht ins Dunkel gebracht. Aber der Autor schlug sich mit den gleichen Fragen wie ich herum, er irrte, lief gegen Wände, fühlte und trauerte und er versuchte, Antworten zu finden, die er nicht bekam. Manchmal ist es schon tröstlich zu wissen, dass irgendwo auf der Welt irgendjemand das gleiche durchmacht wie Du selbst.
Der große Trip – Cheryl Strayed
Wenn in deinem Leben gerade selbst einiges grandios schiefgeht, hilft es, von anderen zu lesen, denen es ähnlich geht. Strayed hat so ziemlich jeden Grund, ihr Leben als schwer zu empfinden, einige Schicksalsschläge, Drogen und der Tod ihrer Mutter katapultieren sie völlig aus ihrem Leben. Sie entschliesst sich, den Pacific Crest Trail zu wandern. Ein hehres Unterfangen, bedenkt man, dass sie keinerlei Übung und nur einen halbwegs zureichenden Plan hat. Mich hat dieses Buch beeindruckt. Was diese Frau diesem Weg abgetrotzt hat, ihr Scheitern, Wiederaufstehen, Weiterlaufen. Wie sie reflektiert und ihre Trauerarbeit leistet, wie sie Rückfälle hat und doch nicht aufgibt. Ich empfand das Buch als ungeschönt und ehrlich. Ein beeindruckendes Buch über den ganz eigenen Weg, den jeder zu gehen hat.
Der Inhalt der Regale
Dies ist vielleicht einer der schwierigsten Texte, die ich bisher in meinem Leben schreiben musste. Ich schreibe über ein Gefühl, dass ich bis vor wenigen Wochen noch nicht kannte.
Als ich nach zwei Tagen unser Zuhause wieder betreten dürfte, mit Handschuhen und Atemmaske, stand ich fassungslos vor den schwarzen Regalen. Eine Nachbarin warf den lapidaren Satz hin „Das ist doch nur Papier!“ und heute bringt mich dieser Satz dazu, über eben dieses Papier zu schreiben.
Denn auch, wenn das vielleicht nicht jeder verstehen kann, für mich waren diese Regale und seine Bücher Freunde. Und bei jedem Titel, den ich für die Versicherung notieren musste, wurde der Verlust schmerzlicher, wurde mir klarer, was wir hier verloren haben.
Wenn Du an einem Tag, weil die Sanierungsarbeiten dringend beginnen müssen, innerhalb weniger Stunden tausend Bücher fotografieren musst und sie dann in Kisten packst. Wenn keine Zeit ist, deine liebsten, eigenen Kinderbücher noch einmal durchzublättern. Wenn dein Mann seine über Jahre antiquarisch erworbene Sammlung einer Sci-Fi-Serie zusammenpackt, deren Titel man wegen dem Ruß nicht mehr erkennen kann. Wenn Du alle Bilderbücher deines Sohnes gehen lassen musst, die so voller Erinnerungen stecken an gemeinsame Vorlesestunden.
Wenn deine Sammlung von Weihnachtsbüchern in Umzugskartons verschwindet. Die Fachliteratur aus deiner Ausbildung, die gefühlt noch voller Schweiss und Tränen steckt und nächtelangem Lernen. Das allererste Leseexemplar, was Du im Buchladen bekommen hast. Die Bücher, die Du zigmal gelesen hast, in denen Lesezeichen stecken und in denen die schönsten Sätze angestrichen sind. Die Bücher mit persönlichen Widmungen und liebevoll ausgesucht von Herzensmenschen. Die angestrichenen Rezepte in der großen Kochbuchsammlung. Die kleinen Zettelchen in den Büchern, auf denen mein Mann und ich uns in der ersten Zeit Nachrichten schickten. Dein erstes Lexikon, was bisher jede Aussortieraktion überstanden hatte, auch wenn es längst aktuelleres gab.
Wenn Du schreien möchtest, weil Du mehr Zeit brauchst. Zeit um Dich zu verabschieden. Um zu verstehen. Und wahrscheinlich hätte auch eine Woche nicht ausgereicht. Diese Bücher haben wir unser ganzes Leben lang zusammengesammelt und ausgesucht. Diese Millionen von Wörtern. Diese Begleiter, diese Teile unserer Geschichte und unserer Familie. In diesen Regalen standen auf den ersten Blick einfach nur Bücher. Aber in diesen Regalen stand unser Leben. Wer unsere Regale durchforstete, fand uns. Unsere Interessen, unseren Wissensdurst, unsere Freuden, die Dinge die wir liebten und verehrten. Man fand sovieles von dem, was uns ausmacht. Ich erwische mich hier, in unserem Exil, wie ich nach einem Buch greifen will, was Linderung verspricht. Und dann wieder realisieren muss, was nun fehlt.
Ich bin unglaublich dankbar, dass es meiner Familie und allen Nachbarn gut geht und alle rechtzeitig in Sicherheit waren. Das ist und bleibt das Wichtigste. Und trotzdem: Nein, es war nicht nur „nur Papier„. Wir haben an einem Abend soviel mehr verloren, als „nur Papier„.
Geheimer Ort – Tana French
Bisher hatte ich noch nie etwas von Tana French gelesen. Durch eine Besprechung von hr-iNFO wurde ich auf den Krimi aufmerksam und futterte die 700 Seiten an zwei Tagen. Auch als Buchhändlerin gibt es doch immer Autoren, die man jahrelang vom Namen kennt und immer mal für Kunden bestellt, die trotzdem an einem vorbeiziehen. Was soll ich sagen: die Begeisterung für French war bei mir (und noch ausgeprägter bei meiner Kollegin) so groß, dass wir mittlerweile die komplette Backlist führen und verkaufen wie geschnitten Brot: Mission accomplished!
Die Falle – Melanie Raabe
Dieser Krimi begleitete mich auf der Fahrt zur Leipziger Buchmesse und wieder zurück. Es spricht für sich, dass ich, nach einem sehr langen Messetag, müde und hungrig, zuhause angekommen doch nicht gleich schlafen konnte. Ich musste, mit der letzten Energie des Tages die verbliebenen 30 Seiten noch lesen. Ein herrlich böses Kammerspiel, ein toller Krimi – ich will mehr davon!